Low-Code-Plattformen

So paradox es klingt: Die Zukunft der Softwareentwicklung liegt darin, weniger Software zu programmieren. Low-Code-Plattformen sind auf dem Vormarsch. Gartner prognostiziert, dass 2024 schon 65 Prozent aller Unternehmen mit Low-Code entwickeln werden.1 Der Grund ist simpel: Die Unternehmen finden nicht genügend Softwareentwickler, um die vielen Anwendungen zu erzeugen, die sie für die digitale Transformation benötigen. Und die Entwicklung dauert zu lange.

Low-Code bedeutet so viel wie „wenig Code“. Statt textbasierte Programmiersprachen zu verwenden, arbeiten die Entwickler in einer grafischen Entwicklungsumgebung, einer sogenannten Low-Code-Plattform (LCP), und setzen ihren Code per Drag & Drop aus vordefinierten Softwarebausteinen zusammen.

Konfigurieren statt programmieren

Konfigurieren statt programmieren lautet das Prinzip. Der Begriff „Low-Code“ wurde 2014 von Forrester Research geprägt, aber das Prinzip ist älter. Vorläufer waren in den 90er Jahren die Programmiersprachen der vierten Generation (4GL) und das Rapid Application Development mit Werkzeugen wie Oracle Forms oder Visual Basic. Während Low-Code dazu dient, den Programmieraufwand zu minimieren, kommen No-Code-Plattformen ganz ohne Programmierung aus. Sie haben jedoch funktionale Einschränkungen und sind vorwiegend für Anwender ohne Programmierkenntnisse gedacht sind: Die sogenannten Citizen Developer.2

Entwicklung bis zu zehnmal schneller

Weil das manuelle Programmieren bei Low-Code weitgehend entfällt, können Softwareentwickler ihre Anwendungen deutlich schneller erstellen − bis zu zehnmal schneller laut Forrester.3 Dadurch sparen Unternehmen Kosten und sorgen für einen effizienteren Einsatz der knappen Ressourcen.

Zu den größten Vorteilen für die IT zählt der kollaborative Ansatz von Low-Code. Die Softwareentwickler können durch Citizen Developer aus den Fachbereichen verstärkt werden, die ihr Know-how direkt in die Entwicklung einbringen. Dadurch lässt sich Low-Code gut mit agilen Methoden kombinieren.4

LCPs ermöglichen nicht nur eine agilere Reaktion auf neue Marktanforderungen. Sie unterstützen den Aufbau moderner Software-Architekturen, vereinfachen die Integration mit bestehenden Systemen, sorgen für eine flexible Bereitstellung der Apps in unterschiedlichen Umgebungen und gewährleisten ihre Sicherheit.5

Digitalisierung von Geschäftsprozessen

Wesentliche Bestandteile einer LCP sind eine visuelle, integrierte Entwicklungsumgebung (IDE), Schnittstellen zu Backend-Services und anderen Datenbanken sowie Werkzeuge für das Debugging, Deployment und die Wartung des Codes. Eine leistungsfähige LCP ermöglicht die deklarative Kontrolle der Datenmodelle per Data Dictionary sowie die visuelle Definition und Automatisierung von Workflows und Geschäftsregeln. Außerdem bietet sie dem Anwender umfassende Möglichkeiten, seine Benutzeroberfläche zu personalisieren.

LPCs werden sowohl für die Digitalisierung von internen Geschäftsprozessen in der Industrie als auch von externen, kundenorientierten Prozessen in Ämtern und Behörden eingesetzt. Die Bandbreite möglicher Anwendungsfälle reicht vom Design der Oberflächen mit Drag & Drop-Komponenten über die Integration von Legacy-Systemen für die Prozessautomation bis zu Entwicklung komplett neuer Apps.6

LCPs beschleunigen die digitale Transformation. In der Cloud bereitgestellt, stellen sie als Platform-as-a-Service- (PaaS) oder Software-as-a-Service-Angebote (SaaS) einen wichtigen Baustein für eine konfigurierbare, service-orientierte Plattformarchitektur dar.

Boomender Low-Code-Markt

Nach den Prognosen von Gartner erreicht der weltweite Markt für Low-Code-Entwicklungstechnologien in diesem Jahr ein Volumen von 13,8 Milliarden US-Dollar.7 Bis 2030 soll er sich anderen Studien zufolge mehr als verzehnfachen.

Am stärksten wächst derzeit das Segment der Low-Code-Anwendungsplattformen. Es gibt Hunderte solcher Plattformen und ihre Zahl nimmt weiter zu. Führende Anbieter sind Outsystems, Mendix, Kony, Salesforce und Microsoft.8

Auch Anbieter kommerzieller Geschäftsanwendungen bieten ihren Kunden inzwischen die Möglichkeit, ihre Anwendungen mittels Low-Code zu konfigurieren oder funktional zu erweitern. Insofern ist Low-Code kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur bestehenden IT-Systemlandschaft.

Quellen

1 Computerwelt: Gartner: Bis 2024 werden 65% aller Unternehmen mit Low-Code entwickelnPLM Glossary: Compliance Management (eingesehen am 15.09.2021)
2 Retool: What is low code? A comprehensive guide (eingesehen am 21.09.2021)
3 Forrester: Why You Need To Know About Low-Code, Even If You’re Not Responsible For Software Delivery (eingesehen am 15.09.2021)
4 Schillinger, Jakob: Wie Low-Code die Softwareentwicklung auf die nächste Stufe hebt (eingesehen am 15.09.2021)
5 Outsystems: Der Guide zur Low-Code-Entwicklung (eingesehen am 21.09.2021)
6 Digital Guide Ionos: Low Code: Definition, Besonderheiten und Einsatzgebiete (eingesehen am 21.09.2021)
7 Gartner: Gartner Forecasts Worldwide Low-Code Development Technologies Market to Grow 23% in 2021 (eingesehen am 21.09.2021)
8 Heise Magazine − Born, Achim: Nieder mit dem Code (eingesehen am 21.09.2021)

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